Sprichwörter mit Holz
- Zander Holzstudio
- 24. März
- 5 Min. Lesezeit
“Auf dem Holzweg zu sein” oder “auf Holz zu klopfen” sind bis heute gängige Sprüche und Sprichwörter, die gerne hin und wieder mal genutzt werden. Aber was bedeuten diese Sprichwörter mit Holz eigentlich und wo kommen sie her? Ich habe mal ein wenig recherchiert und versucht, die passenden Bedeutungen zu finden.

Warum gibt es so viele Redewendungen mit Holz?
Seit vielen Generationen haben viele Generationen eine tiefe Verbundenheit mit dem Wald als Lebensraum und Lebensspender sowie für Holz als Bau- sowie Brennmaterial, sprich dem Spender für Wärme und Licht. Durch die Präsenz und Relevanz von Holz im Alltag wurde dieses auch stark in die Sprache integriert. Dies resultiert aus der vielfachen Nutzung dieser Ressource im privaten Haushalt als auch bei der Arbeit. Auch wenn die enge Verbundenheit zu Holz heutzutage gefühlt nicht mehr so stark ist, so haben sich die Sprichwörter und Redewendungen bis heute gehalten und werden nach wie vor gern verwendet.
Sprichwörter mit Holz: Eine kleine Übersicht
“Auf Holz klopfen”
Diese Redewendung bedeutet in erster Linie die Hoffnung, dass alles gut geht und nichts Schlimmes passiert. Wenn man zum Beispiel von etwas Schlimmem redet, was bisher noch nicht eingetreten ist, sagt man damit aus, es möge auch weiterhin so bleiben.
Ursprünglich kommt dieses Sprichwort bzw. diese Redewendung von Bergarbeitern, die in Kohle und Mineralstollen gearbeitet haben. Diese waren meist durch Holzkonstruktionen gestützt, welche aber mit der Zeit gern mal marode wurden. Mit dem Klopfen auf das Holz konnte man somit die Beschaffenheit des Holzes prüfen. Daher klopfte man auf das Holz, um größere Gefahren oder Schäden zu vermeiden.
“Auf dem Holzweg sein”
Wenn sich jemand auf dem Holzweg befindet, liegt man oft falsch. Das kann ein Gedankengang oder ein wortwörtlicher Weg sein. Egal wie, man läuft Gefahr, in einer Sackgasse zu landen.
Die Bedeutung dieser Redewendung reicht weit zurück, als die Waldwege sehr schlecht ausgebaut waren. Das Wegenetz war unübersichtlich und auch nicht kartografiert. Entgegen der heutigen Zeit wurden damals, statt schwerer Technik, Rückepferde für den Transport von Baumstämmen aus dem Wald heraus genutzt. Dazu nutzten die Pferde Trampelpfade, die später zum sogenannten Holzpfad wurden. Wenn man also einen dieser Pfade nutzte, konnte es passieren, dass man sich irgendwo mitten im Wald wiederfand, sprich in einer Sackgasse. Somit musste man umkehren, wenn man nicht im Unterholz verloren gehen wollte.
“Das ist astrein”
Das ist eine Redewendung für ein klasse Resultat und einen sehr guten Zustand. Aber woher kommt sie? Wenn Holz astrein also frei von Ästen ist, weist dies auf eine höhere Qualität hin, statt Holz, welches mit Ästen durchzogen ist. Astfreies Holz bietet mehr Möglichkeiten in der Verwendung. Daher ist es beliebter und teurer als Holz mit Ästen. Äste bedeuten eine Unterbrechung in der faserigen Struktur des Holzes und limitieren daher die Verwendung. Gleichzeitig können ausgetrocknete “Astwurzeln” oder Holzaugen auch zu Löchern führen.
Ein gutes Beispiel bilden Laubbäume, die sich durch gerade, astfreie Stämme auszeichnen. Natürlich können sich diese auch im Stamm verzweigen, aber diese Zweige werden dann auch deutlich dicker und massiver. Somit sind sie besser nutzbar. Nadelbäume hingegen haben deutlich kleine, dünne Äste, die nicht absterben, sondern am Stamm verbleiben, auch schon in niedriger Höhe. Daher ist Nadelholz weniger flexibel nutzbar als Laubholz.
“Holzauge, sei wachsam”
Die Bedeutung ist eigentlich selbsterklärend. Sie besagt, dass man wachsam sein und aufpassen soll. Im Schreinerhandwerk bezog sich diese Redewendung auf Holzaugen, die im astdurchzogenen Holz vorhanden sind. Diese Holzaugen verfügen über eine deutlich höhere Dichte und somit Härte.
Wenn also ein Schreiner nicht aufpasste und den Hobel über dieses Holzauge zog, wurde dieser recht schnell stumpf. Das wiederum hat die Arbeit deutlich behindert. Somit musste man immer beim Hobeln aufpassen, wie die Beschaffenheit des Holzes ist, wenn man die Werkzeuge nicht beschädigen wollte.
“Vom Hölzchen aufs Stöckchen”
Das sagt man, wenn jemand beim Reden kein Ende findet oder sogar von Thema zu Thema springt. Bildlich kann man sich vorstellen, dass von einem Ast oder Zweig schnell zum anderen gesprungen wird, und das eben fortwährend.
“Etwas auf dem Kerbholz haben”
Jemand, der etwas auf dem Kerbholz hat, ist halt sinngemäß nicht unschuldig oder hat wortwörtlich Schulden. Das Kerbholz war im Mittelalter ein effektives Mittel, um Schulden auf nicht schriftliche Art und Weise zu dokumentieren.
Ein Kerbholz ist ein zweiteiliges Stück Holz, welches, ähnlich wie ein Puzzle, genau zueinander passt. Eine Hälfte besaß der Schuldner und der Lieferant, Gläubiger oder Geldgeber. Wurden beide Stücke miteinander verbunden, wurde eine Kerbe quer in das Gesamtstück geritzt. Je mehr Kerben auf dem Holz zu sehen waren, desto mehr Schulden waren darauf vermerkt. Damit niemand nachträglich auf dem eigenen Stück etwas fälschen konnte, mussten die Stücke haargenau zueinanderpassen. Am Zahltag wurden die beiden Stücke aneinander gehalten und die Schuld wurde dann entsprechend getilgt, wenn man sich dem Kerbholz als Schuldner entledigen wollte.
“Pechvogel”
Pech entstand im Mittelalter bei der Verarbeitung, sprich der Destillation von harzhaltigen Holzarten wie beispielsweise Tannen, Fichten und Kiefern. Besonders letztere besitzen einen hohen Harzanteil. Diese schwarze, klebrige Masse wurde auch bei der Jagd verwendet. Dazu schmierte man Pech auf Äste von Bäumen in der Hoffnung, dass Vögel daran festklebten und somit leichter gefangen werden konnten. In der heutigen Zeit bedeutet ein Pechvogel vom Unglück verfolgt zu werden und immer wieder in unwohle Situationen zu geraten, ohne dafür spezifisch verantwortlich zu sein.
“Jemandem Zunder geben”
Bedeutet so viel wie, jemandem Ärger bereiten oder stressen. Wortwörtlich kommt das Wort jedoch von dem Zunderschwamm, der an verschiedenen kranken oder beschädigten Laubbäumen zu finden ist. Dieser Zunderschwamm könnte in erster Linie wie ein Pilz aussehen. Zwar ist es auch eine Art Parasit, jedoch wurde bereits ein Teil dieses Wuchses in der Steinzeit als Hilfe zum Entzünden von Feuer verwendet. Im Ersten Weltkrieg bedeutete die Redewendung “Zunder bekommen” feindliches Feuer und der Gebrauch wurde übernommen.
“Den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen”
Wenn man den Überblick verliert oder sich gedanklich verliert, dann sieht man den Wald sprichwörtlich vor lauter Bäumen nicht mehr. Diese Redewendung wurde vom Dichter und Übersetzer Christoph Martin Wieland formuliert und hält sich bis heute.
“Splitterfasernackt sein”
Mittlerweile schon etwas vergessen, eine Umschreibung für komplett nackt sein. Ursprünglich kommt diese Redewendung aber aus dem Forstwesen. Bezogen wurde sich auf den Splint, also die faserige Bastschicht zwischen Rinde und Kernholz. Um also an das wertvolle Kernholz zu kommen, für die weitere Verarbeitung, musste man den Stamm spli(n)terfasernackt machen.
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Besten Gruß aus der staubigen Werkelbude, Marco
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